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Angeborene Herzerkrankungen
Praxis Dr. Hüting
Dr.Hüting  

 

Bitte beachten Sie: 
Diese Ratschläge gelten keinesfalls als endgültige Medikation. Sie sollen für Sie außer allgemeiner Information nur einen Anhaltspunkt bieten, wann Sie sich spätestens an Ihren Hausarzt bzw. Kardiologen wenden sollten!

Offenes Foramen ovale 
(Vorhof-Septum-Defekt)

Ich bin 31 Jahre alt, hatte mit 16 Jahren eine tiefe Beinbeckenvenenthrombose. Diese wurde operativ entfernt, ist aber leider einige Tage später rethrombosiert. Eine Lyse hat nicht ganz angeschlagen. Unter Gerinnungshemmern bekam ich dann einen rechtshirnigen Print, der aber wieder weg ging und keine bleibenden Schäden hinterlassen hat. Darauf wurde das offene Foramen durch Schluckecho diagnostiziert. Das war vor 15 Jahren. Damals wurde es auch nicht geschlossen. Vor 6 Jahren hat man eine apc-Resistenz im Blut festgestellt. Sie ist von meinem Vater vererbt. Ich bin einmal im Jahr in der Uniklinik zum check up. Ich trage Thrombosestrümpfe und treibe Sport, rauchen tue ich auch nicht mehr. Die letzte Untersuchung beim Kardiologen ist 2 Wochen her und es ist alles in Ordnung. Das Foramen konnte er nicht sehen.

Jetzt zu meiner Frage. Mein Internist hat mir den Vorschlag gemacht, ich sollte ein Schluckecho machen lassen, um festzustellen wie groß das Loch ist, um es dann evtl. schließen zu lassen. Er meint, dass ich alle Riskofaktoren hätte ,deshalb wäre es besser vorzubeugen. Außerdem war er vor kurzem bei einer Fortbildung zu diesem Thema. Ich möchte mir ungern ein Schluckecho machen lassen, weil das eine sehr unangenehme Untersuchung ist, aber wenn es sinnvoll ist, würde ich es machen lassen. Aber das Loch zu schließen, ist für mich doch ein großer Eingriff und davor hätte ich auch Angst. Meinen Sie, dass es sinnvoll ist, eine solche Untersuchung machen zu lassen? Und ist die Schließung des Loches ein gefährlicher Eingriff?

Der Cardiologe:

Sie sprechen eine sehr interessante Problematik an, über die derzeit einige Studien laufen und zu der in den letzten Jahren und Monaten wesentliche Fortschritte gemacht wurden. 

Ein offenes Foramen ovale oder ein Vorhofseptumdefekt sind häufig, treten bei etwa 25-40% der Bevölkerung auf und haben an sich keinen Krankheitswert. Nach einer TIA /PRINT sieht das anders aus, wenn anzunehmen ist, dass eine Embolie mit Ursprung aus dem venösen System, insbesondere dem Bereich der Becken- /Beinvenen hierfür verantwortlich sind. Es ist insbesondere dann zu einem Verschluss zu raten, wenn ein erhöhtes Rezidivrisiko für ein embolisches Ereignis anzunehmen ist. Das ist bei Ihnen eindeutig der Fall: Sie haben eine APC-Resistenz und haben durch Ihre stattgehabte Thrombose (ohne ersichtliche Ursache wie Bettlägerigkeit, Schwangerschaft o.ä.) dokumentiert, dass ein erhöhtes Thrombembolie-Risiko besteht. Die Gefahr eines Rezidivs ist somit groß, es besteht grundsätzlich die Indikation zum Verschluss des Vorhofseptumdefekts. 

Auch bei Tauchern mit häufigen Tauchgängen besteht grundsätzlich ein erhöhtes Risiko cerebraler Embolien bei offenem Foramen ovale. Es wird deshalb diskutiert und teils auch schon standardmäßig bei Tauchern geraten, ein offenes Foramen ovale schließen zu lassen. 

Die Standardmethode ist heute der interventionelle Verschluss durch Katheter mit Hilfe eines Schirmes. Voraussetzung ist die Darstellung des Defekts im transoesophagealen Echo: Hier muss die Größe und Lage des Defekts sowie insbesondere auch die Breite des Septumrestes bestimmt werden. Nur hierdurch kann der optimale Verschluss durch den verwendeten Schirm mit Pfropfen gewährleistet werden. 

Nach dem Eingriff ist im Regelfall lediglich für 6 Monate Aspirin- und in den ersten 2 Monaten zusätzlich Clopidogrel-Einnahme erforderlich. 

Einzige Ausnahme, die auch Sie betrifft: die APC-Resistenz. Hier ist in der Regel eine Dauer-Antikoagulation zu empfehlen. Ein Zentrum mit ausreichender Erfahrung in der Durchführung der Methode ist das Herzzentrum NRW in Bad Oeynhausen, Ansprechpartner sind u.a. Dr. Faßbender und Prof. Seggewiss.

Alternativ wird von chirurgischer Seite der operative Verschluss angeboten, der ein seit Jahren erprobtes Standardverfahren mit sehr geringen Komplikationen und optimalem Erfolg darstellt. Zu bedenken ist hierbei jedoch die Notwendigkeit einer "großen" Operation. Für die Operation spricht die langjährige Erfahrung mit diesem Vorgehen und der gut belegte Dauererfolg der Methode.

HOCM

Als betroffener Vater - mein HOCM-erkrankter Sohn ist 8 Jahre alt - bin ich an Informationen über Erfahrungen über die neue Möglichkeit der Behandlungsmethode TASH (bzw. PTSMA) in Bezug auf Kinder interessiert.

Der Cardiologe:

Die Spezialisten in Deutschland für Ihre Frage sind Herr Prof. H. Seggewiss im Herzzentrum NRW Bad Oeynhausen und Herr PD Dr. Sieverding, Uni Tübingen. Nach Auskunft von Prof. Seggewiss bestehen in Bad Oeynhausen Erfahrungen mit TASH bei Jugendlichen bis 13 Jahr, bislang wurde eine TASH dort 15 Mal bei Jugendlichen unter 20 Jahren durchgeführt. In dieser Gruppe wurde keine Schrittmacher-Implantation erforderlich, die bekannteste Komplikation ansonsten. Dieses Problem scheint auch ansonsten altersabhängig zu sein, bei Patienten < 40 Jahren wurde bislang nur 1 Schrittmacher-Implantation erforderlich. Ansonsten liegt dieses Risiko derzeit bei <5%.  Prinzipiell ist eine TASH auch bei Kindern möglich, hierzu muss die Arterie jedoch so weit sein, daß ein Katheter mit 6 F Lumen problemlos applizierbar ist. Für Ihren Sohn ist zu raten, dass Sie Kontakt mit einem der beiden Zentren aufnehmen und Ihren Sohn dort mit der entsprechenden Fragestellung vorstellen, ggf. nach Konsultation Ihres örtlichen (Kinder-) Kardiologen.

Herzgeräusche

Bei meiner Tochter 9 Jahre wurde bei der letzten Untersuchung festgestellt, dass Herzgeräusche vorhanden sind, die dort nicht hingehören. Wir wurden zu einem Kinderkardiologen verwiesen, der aber erst in 2 Wochen einen Termin frei hat. Meine Tochter hatte noch nie irgendwelche Probleme mit dem Herzen und vor drei Monaten hat unser Haus-Kinderarzt sie gründlich untersucht und nichts auffälliges festgestellt.   Was kann diese bedeuten?  Sie hatte vor kurzem einen Infekt.

Der Cardiologe:

Herzgeräusche bei Kindern sind sehr häufig und in der Regel völlig harmlos. Möglicherweise hat Ihr Hausarzt ein Geräusch gehört und dieses als noch normal empfunden, es Ihnen gegenüber nicht erwähnt - doch genau kann ich das auch nicht sagen. Natürlich kann es zu einer Beteiligung der Herzklappen bei einem Infekt kommen, so dass es zu einer Klappenschädigung und einem entsprechenden Geräusch kommt. Sie sollten aber die 14 Tage bis zu der Untersuchung durch den Kinderkardiologen in Ruhe abwarten, wenn 
  • Ihr Kind kein Fieber mehr hat (bitte zunächst mehrfach täglich messen)
  • Ihr Kind keine Luftnot, Herzrhythmusstörungen oder sonstige ernsthafte Befindlichkeitsstörungen hat

Ballondilatation bei der Fallotschen Tetralogie

Inwieweit ist eine Ballondilatation der Pulmonalklappe bei einer Fallotschen Tetralogie sinnvoll, angebracht, abzulehnen oder einfach falsch? Oder anders gesprochen, gibt es Literatur, Stuidien oder andere Informationen die das Thema Fallotsche Tetralogie und Ballondilatation zum Thema haben? Für eine Antwort wären ich Ihnen sehr verbunden.

Der Cardiologe:

Eine Ballon-Dilatation der Pulmonalklappe bei Fallot-Tetralogie halte ich überhaupt nicht für sinnvoll: Die Pulmonalarterien-Stenose schützt die Lungenstrombahn vor eine Schädigung durch den erhöhten Druck, es kommt bei Abwesenheit der Pulmonalarterien-Stenose zur Druckerhöhung. Zum Schutz der Lungenstrombahn wird manchmal sogar ein "Banding", eine Verengung, künstlich angelegt.Lesen Sie den Bericht der Patientin mit pulmonalarterieller Hypertonie auf unserer Patienten-Startseite hierzu.
 
Letzte Aktualisierung dieser Seite am 24.08.05