testKardiologische Gemeinschaftspraxis Dr. Hüting, Bad Oeynhausentest
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Kardiologische Gemeinschaftspraxis Hüting

Unter AV-Knoten Reentry Tachykardie versteht man eine kreisende Erregung im Bereich der Vorkammern (Vorhöfe), die den Bereich der Überleitung von den Vorkammern zu den Kammern (den atrio - ventrikulären Knoten = AV-Knoten) mit einbezieht.
Beim WPW-Syndrom (Wolff-Parkinson-White Syndrom) ist eine Leitungsbahn außerhalt des AV-Knotens in die kreisende Erregung mit einbezogen.

I N H A L T   D I E S E R   S E I T E 

AV-Knoten Reentry Tachykardie - was ist das überhaupt?
WPW- Syndrom - was ist das eigentlich?
Wie macht sich die AV-Knoten Reentry Tachykardie bemerkbar?
Welche Untersuchungen sind für die Diagnose einer AV-Knoten Reentry Tachykardie erforderlich?
Welche Therapie ist sinnvoll - wie sind die Erfolgsaussichten?
Nachbehandlung

AV-Knoten Reentry Tachykardie - was ist das überhaupt?

Diese Rhythmusstörung ist die häufigste,

  • anfallsweise auftretende Arrhythmie mit
  • gleichmäßiger Pulsschlagfolge.

Die normalen Leitungsbahnen im AV-Knoten werden hierbei in eine kreisende Erregung einbezogen. Hierbei sind in etwa 1/3 der Fälle zusätzliche Leitungsbahnen im Bereich des Übergangs der Vorhöfe zu den Kammern zu identifizieren. Jedes Mal, wenn dieser Erregungskreis durchlaufen wird, kommt es auch zu einer Erregung der Hauptkammern und zu einem Puls.

Ursächlich liegt eine angeborene Anomalie der zwei funktionell unterschiedlichen Leitungsbahnen im AV-Knoten zugrunde. Dort fiindet sich eine langsame und eine schnelle Leitungsbahn, die in ihrem Zusammenspiel und aufgrund der individuellen Eigenschaften zu einer kreisenden Erregung führen können. Wegen deren unterschiedlicher Leitungscharakteristika kann ein Erregungskreis innerhalb des AV-Knotens entstehen, z.B. ausgelöst durch eine Extrasystole.

Das EKG zeigt eine regelmäßige Herzschlagfolge mit schmalem QRS-Komplex, P-Wellen (eine zusätzliche Vorhof-Erregungswelle) fehlen.

Charakteristische Maneuver, mit denen Betroffene den schnellen Pulsschlag manchmal durch Stimulation des Vagus-Nerven beenden können:

  • Trinken kalten und kohlensäurehaltigen Wassers
  • heftiges Aufstoßen
  • forciertes Schlucken
  • Baden der Unterarme in kaltem Wasser
  • Pressen wie zum Stuhlgang in der Hocke
  • Drücken am Carotissinus (druckempfindliches Tastkörperchen beidseits am Hals löst Vagusreiz aus)

WPW- Syndrom - was ist das eigentlich?

Beim Wolf-Parkinson-White Syndrom kommt es zu einer kreisenden Erregung unter einbeziehung zusätzlicher (akzessorischer) Leitungsbahnen, die relativ weit entfernt von der normalen Leitungsstelle zwischen Vorhöfen und Kammern (AV-Knoten) liegen. Männer sind hierbei etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Die Attacken mit schnellem Pulsschalg können in jedem Lebensalter beginnnen. Typischerweise werden allerdings bereits in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter solche schnellen Pulsschlagfolgen von den Betroffenen bemerkt.

Für die Diagosestellung ist zunächst das Oberflächen-EKG wichtig. Dort kann bei der Mehrzahl der Betroffenen eine zusätlzliche Erregungswelle, sogenannte Deltawelle, als Ausdruck vorzeitiger Erregung der Hauptkammern nachgewiesen werden. Seltener wird diese Deltawelle nicht gesehen. Dies wird dann als "verborgenes WPW-Syndrom" bezeichnet.

Wie macht sich die AV-Knoten Reentry Tachykardie und die WPW-Tachykardie bemerkbar?

Die Rhythmusstörungen werden charakteristischerweise als plötzlich einsetzender, schneller, regelmäßiger Herzschlag mit einer Frequenz von 140–250 Schläge pro Minute erlebt. In der Regel wird der Kreslauf hier aufrecht erhalten, es kommt aber zu Schwächezuständen bis hin zu Synkopen mit Bewußtlosigkeit. Charakteristische Beschwerden sind kräftiges Wasserlassen, das Gefühl von Luftnot und Schwindel. Die Rhythmusstörung endet so plötzlich, wie sie begonnen hat.

Welche Untersuchungen sind für die Diagnose einer AV-Knoten Reentry Tachykardie erforderlich?

Neben der typischen Schilderung der Arrhythmie mit

  • plötzlichem Beginn der Rhythmusstörung
  • sehr schnellem Pulsschlag (Herzfrequenz bitte durch Pulstasten bestimmen)
  • gleichmäßiger Pulsschlagfolge

ist eine weitergehende kardiologische Diagnostik zur Aufzeichnung der Arrhythmie erforderlich. Diese umschließt in der Regel neben anderen Untersuchungen eine Dokumentation der Rhythmusstörung in einem Langzeit-EKG oder einer Aufzeichnung durch Event-Rekorder.

Welche Therapie ist sinnvoll - wie sind die Erfolgsaussichten?

Therapie der Wahl ist die Kathetermodifikation des AV-Knotens mittels Hochfrequenzstrom. Eine medikamentöse Therapie bringt in der Regel hier keinen dauerhaften Erfolg.

Eine kurative (heilende) Therapie ist in der Regel durch eine solche Katheter-Modifikation möglich. Hierbei wird zunächst in einer elektrophysiologischen Untersuchung ("Rhythmuskatheter") die zusätzlich angelegte oder abnorm leitende "normale" Leitungsbahn durch elektrische Stimulation identifiziert.

In einem zweiten Schritt versucht man, diese Leitungsbahn so weit zu schädigen, dass sie ihre schnelle Lietungseigenschaft einbüßt. Hierbei kann Kälte ("Kryoablation") oder Hitze (Hochfrequenzstrom) zur Anwendung kommen. Diese Therapie wird Ablation genannt.

Nachbehandlung

Auch nach der Ablation einer AV-Knoten Reentry Tachykardie sind weitere kardiologische Kontrollen erforderlich. Geeignete Untersuchungen sind hierbei insbesondere

  • Ultraschall für die Darstellung der Herz-Anatomie
  • EKG und Belastungs-EKG
  • möglichst 12-Kanal Anfalls-EKG zum Zeitpunkt einer laufenden Tachykardie
  • Langzeit-EKG für Diagnostik erneuter Rhythmusstörungen insbesondere nachts (bis zu 7 Tage)
  • Event-Rekorder Aufzeichnungen für seltener auftretende Rhythmusstörungen

Aufgrund dieser Untersuchungen kann das weitere Vorgehen gesteuert werden, insbesondere kann die Frage geklärt werden, ob therapeutisch eine

  • erneute Ablation indiziert ist
  • gezielte medikamentöse Rhythmustherapie indiziert ist

 

 
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Für die Diagnosestellung und effektive Behandlung von AV-Knoten Reentry Tachykardie oder WPW-Syndrom sind folgende Schritte entscheidend:

  • die genaue Beobachtung der Rhythmusstörung durch eigene Pulsdiagnostik des Betroffenen:
    wie schnell ist der Pulsschlag, ist die Pulsschlagfolge regelmäßig oder unregelmäßig, sind Beginn und Ende plötzlich von einer Sekunde auf die nächste oder langsam und nicht abgrenzbar
  • die Dokumentation der Arrhythmie im Langzeit-EKG oder Event-Rekorder
  • die genaue Lokalisation der Leitungsbahn im Rhythmuskatheter
  • die effektive Änderung der Leitungseigenschaften durch Ablation